Harte und formstabile Kontaktlinsen
Harte Linsen werden auch unter dem Begriff formstabile Linsen oder rigide Linsen genannt.
PMMA - auch als Plexiglas bezeichnet - ist der klassische Grundstoff für harte Kontaktlinsen.
PMMA gehört zu den Thermoplasten. Darunter versteht man linear verknüpfte Makromoleküle, die in der Wärme verformbar sind, beim Erkalten aber wieder ihre ursprüngliche Zustandsform annehmen.
Die in der Formel gezeigte Quervernetzung dient im speziellen Fall der Anwendung als Kontaktlinsenmaterial. So verwundert es nicht, dass die harte Kontaktlinse aus PMMA nur etwa 0.5 % Wasser aufnimmt und praktisch sauerstoffundurchlässig ist, da von der Polarität des Moleküls und vom Hydratationsgrad wiederum die Sauerstoffpermeabilität abhängt. Um dennoch den Hornhautstoffwechsel aufrecht zu erhalten, ist es deshalb notwendig, dass durch die Bewegung der Linse der Tränenfluss ermöglicht wird, was im Normalfall bei der harten Kontaktlinse annähernd erfüllt wird.
Das Fehlen polarer Gruppen ist wiederum ein Hinweis dafür, dass das Linsenmaterial nur wenig zu Ablagerungen von Proteinen, Lipiden oder anorganischen Bestandteilen neigen wird, was sich in der Praxis ja auch bestätigt hat. Auch die Möglichkeit, dass z. B. Konservierungsstoffe sich in das PMMA Molekül einlagern, ist durch den weitgehend unpolaren Charakter des Materials ausgeschlossen.
Die Benetzbarkeit der harten Kontaktlinse aus PMMA ist entsprechend den nicht hydrophilen Materialeigenschaften nicht besonders gut.
PMMA ist auf Grund seiner chemischen Struktur ein Material, dass
- praktisch keine Sauerstoffpermeabilität aufweist
- nur zwischen 0,5 und 1 % Wasser aufzunehmen vermag,
- eine geringe Benetzbarkeit besitzt,
- für komfortables Tragen zu wenig Flexibilität besitzt,
- nicht geeignet als Dauertragelinse ist.
jedoch:
- gute optische Eigenschaften aufweist,
- über grosse mechanische Stabilität verfügt,
- so gut wie nicht zu Ablagerungen neigt und
- praktisch nicht zu mikrobiellem Befall neigt.
Handhabung formstabiler Linsen
Die Handhabung der harten Linsen hängt in erster Linie von dem verwendeten Pflegesystem ab. Jeder Pflegemittelhersteller fügt seinen Produkten entsprechende Handhabungsbroschüren bei. In der Folge soll eine einfache, aber effektive Handhabung beschrieben werden, die sich für alle nicht oberflächenbehandelten Kontaktlinsen eignet.
Methode:
1. Die Linsen aus dem Auge genommen. Dies kann mit Hilfe eines Gummi Saugers geschehen.
2. Die Linse in die saubere Handfläche legen und mit einem Tropfen eines aberasiv wirkenden Reinigers einreiben.
3. Mit Kochsalzlösung (unkonserviert aus der Sprühflasche) wird die Linse gründlich abgespült, so dass sich kein Reiniger mehr auf der Linse befindet.
4. Die Linse in den sauberen Aufbewahrungsbehälter legen.
5. Es kann eine frische Aufbewahrungs- und Benetzungslösung in den Aufbewahrungsbehälter gefüllt werden.
Wurde die Linse trocken aufbewahrt, so muss sie vor dem Einsetzen mit dem Abrasivreiniger gereinigt und anschliessend mit unkonservierter Kochsalzlösung abgespült werden. Sie kann zusätzlich mit einer unkonservierten Benetzungslösung behandelt werden. Wurde die Linse feucht aufbewahrt (in Aufbewahrungslösung), so kann sie meistens direkt aus der Lösung aufs Auge gesetzt werden.
Auf keinen Fall dürfen harte Linsen zur Reinigung in den Mund genommen werden. Zuviele Bakterien befinden sich im Speichel, die das Auge schädigen könnten.
